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Drei Fragezeichen







Wegen Urlaubs gibt es heute wieder Aufgew?rmtes. Die Geschichte hat noch an einem Wettbewerb teilgenommen, konnte sie daher also nicht vorher posten.

In dieser Geschichte gibt es einige Traumsequenzen und Gedankenfetzen, die im Original immer kursiv gedruckt sind. Ich bin aber irgendwie zu bl?d, die hier auch kursiv zu machen. Vielleicht rafft man es auch so. Wem das zu un?bersichtlich ist, der schaut auf meiner Homepage in der Schreibstube unter den Kurzgeschichten.

Die Kellertreppe

Ich habe schreckliche Angst, will weg, weg von ihm, aber er l?sst mich nicht gehen. Dieser Unterton in seiner Stimme ist mir unheimlich, so kenne ich ihn nicht. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, aber ich wei?, dass er es ist. Ich h?re seine Stimme, sie ist laut, ungewohnt schroff. Ich will davonlaufen, aber ich kann nicht. Ich will fort, ich will...jemand packt mich, sch?ttelt mich...

Ich schreckte j?h auf, mein Herz raste und ich war vollkommen durchgeschwitzt.

?Alles in Ordnung? Ich glaube du hast wieder getr?umt.?

Ich brauchte eine Weile, um mich zu orientieren. Ich war in Rubens...unserem Schlafzimmer. Drau?en war es dunkel und man h?rte den Regen leise auf das Dach prasseln. Ruben hatte die Nachttischlampe auf seiner Seite eingeschaltet und sah mich verschlafen, aber besorgt an.

?Schon okay, Schatz?, sagte ich. ?Es geht mir gut. Dreh dich ruhig wieder um, du siehst m?de aus. Ich geh mir schnell einen Schluck Wasser holen.? Er l?chelte mich dankbar an und ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Dann stand ich auf, zog meinen Morgenmantel an und ging hinunter in die K?che. Ich nahm ein Glas aus dem Schrank und hielt es unter den Wasserstrahl. Immer wieder diese Tr?ume. Ich hatte sie eigentlich st?ndig, seit ich bei Ruben eingezogen war. Kaltes Wasser lief ?ber meinen Handr?cken und ich zog das Glas zur?ck. Ich war immer noch nicht ganz wach. Ich stellte das Wasser ab und nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas. Seit ich hier wohnte, hatte ich kaum eine Nacht wirklich erholsam schlafen k?nnen. Immer wieder hatte ich diese be?ngstigenden Tr?ume.

Tr?ume, in denen ich mich gefangen f?hlte und bedroht, in denen ich weglaufen wollte vor einem gesichtslosen Mann. Manchmal tr?umte ich auch, dass ich im Dunkeln eine Treppe hinunterging, ich sp?rte, wie ich fiel, konnte mich im Traum schreien h?ren und wachte dann schwei?gebadet auf. Ich wusste nur zu gut, was diese Tr?ume bedeuteten. Gebranntes Kind scheut das Feuer, sagte man doch. Mir fiel es nach wie vor schwer, mich auf eine neue Beziehung einzulassen, jemandem so nah zu sein. Ich w?re auch so schnell sicher nicht wieder mit einem Mann zusammengezogen, aber mit Ruben war alles so anders. Wir kannten uns noch nicht lange, aber er war so ?berhaupt nicht wie die M?nner, die ich vorher gekannt hatte. Er war f?rsorglich, nett, zuvorkommend, konnte zuh?ren und hatte Verst?ndnis f?r meine ?ngste. Zu Ruben hatte ich sofort Vertrauen gefasst. Bei ihm f?hlte ich mich geborgen und verstanden. Aber meine Tr?ume sprachen eine andere Sprache. Mein Kopf und mein Herz sagten mir unmissverst?ndlich, dass ich mich sicher f?hlen durfte, aber im Traum, wenn das bewusste Denken abgeschaltet war, meldeten sich all meine ?ngste und das immer noch tief sitzende Misstrauen zur?ck. Meine Therapeutin meinte immerhin, dass ich gro?e Fortschritte gemacht h?tte. Ich nahm noch einen Schluck aus dem Glas, sch?ttete den Rest aus und stellte das Glas in die Sp?lmaschine. Schon auf dem Treppenabsatz konnte ich Ruben leise schnarchen h?ren und musste l?cheln.

Wieder h?re ich seine Stimme, laut, bedrohlich. Er schreit mich an, ich habe Angst. Fort, nur fort, weg von hier, raus aus dieser H?lle. Kalt legt sich die Angst um meine Kehle wie eine Hand. Ich bin hier nicht sicher. Etwas riecht angebrannt. Die Pfanne. Eier und Speck, die Pfanne steht noch auf dem Herd. Er hat sie vergessen. Streit, laute Worte hallen in meinem Kopf, er beschimpft mich, er droht mir. Ich will weg. Pl?tzlich ist es dunkel. Ich gehe eine Treppe herunter. Kellertreppe. Ich wei? jetzt, wo ich bin, ich gehe in den Keller, ich will etwas holen. Licht. Warum ist hier kein Licht. Ein Schatten von hinten, jemand steht in der T?r?ffnung. Ich habe Angst, ich muss fort, ich bin nicht sicher. Ich drehe mich um. Spaten. Ein Spaten...Rot. Ich schreie...

Ich f?hlte mein Herz gegen meine Rippen schlagen wie ein nerv?ser Vogel in einem K?fig. Ich schnappte nach Luft. Nur ein Traum, du bist hier, du bist wach. Es ist hell. Ich setzte mich auf und atmete langsam und bewusst. Langsam. Einatmen. Ausatmen. Du bist hier in deinem Bett. Es ist alles in Ordnung. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Meine Therapeutin hatte nicht ganz Unrecht. Es w?rde noch lange dauern, bis ich die Traumata der Vergangenheit ?berwunden haben w?rde. Gewalt brannte sich tief in die Seele ein. So leicht w?rde ich die Bilder nicht absch?tteln k?nnen. Vieles hatte ich aus meinem Bewusstsein verbannt, verdr?ngt und es trat nur langsam an die Oberfl?che. Spaten. Noch einmal kehrten verschwommene Traumbilder in mein Bewusstsein zur?ck. Hatte Bill mich jemals mit einem Spaten bedroht? Ich wusste es nicht mehr. Zu viel war vorgefallen. Zu viel, an das ich nicht mehr denken wollte. Aus der K?che konnte ich leise Radiomusik h?ren. Ruben war schon aufgestanden. Ich konnte ihn mit Geschirr hantieren h?ren und l?chelte. Er deckte den Tisch. Ruben war ein Fr?haufsteher, auch am Wochenende konnte er nicht lange im Bett liegen bleiben und verw?hnte mich dann oft mit einem ?ppigen Fr?hst?ck.

Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, ging ich die Treppe herunter. Ich konnte Ruben in der K?che werkeln h?ren und schnupperte. Es duftete nach Kaffee und Speck. Speck. Eier und Speck. Mein Magen zog sich krampfartig zusammen und ich f?hlte eine leichte ?belkeit aufsteigen. Beinahe verfehlte mein Fu? die Treppenstufe, ich konnte mich gerade noch am Gel?nder festhalten. Was war nur los mit mir? Diese Tr?ume, die wenig erholsamen N?chte, das alles machte mich noch ganz fertig. Als ich mich wieder gefangen hatte, ging ich in die K?che. Ruben stand mit dem R?cken zur T?r und schlug mit dem Schneebesen in einer Sch?ssel Eier, w?hrend unter dem Ofengrill einige Scheiben Fr?hst?cksspeck brutzelten. Aus dem Radio pl?rrten die Walker Brothers The Sun Ain?t Gonna Shine Anymore und Ruben sang laut und schr?g mit. Ich musste lachen.

?Ein Gl?ck, dass du so ein guter Koch bist?, sagte ich und schlang ihm von hinten die Arme um die Taille, ?mit der Gesangskarriere wird das n?mlich ganz sicher nichts.?

?Dir auch einen sch?nen Guten Morgen, mein Schatz?, sagte er und k?sste mich. ?Ich hoffe, du hast Appetit mitgebracht.? Er stellte die Pfanne auf den Herd und gab etwas Margarine hinein.

?Oh ja, ich k?nnte ein Pferd essen?, log ich.

?Sch?n?, sagte er. ?Dann freu dich schon mal auf meine Spezial-R?hreier.? Ruben gab ein paar gehackte Kr?uter in die Sch?ssel. Es zischte, als er die Eier in die Pfanne goss. Er ?ffnete den Schrank ?ber der Anrichte, nahm Pfeffer und Salz heraus und w?rzte damit die R?hreier.

?Kr?uter, Salz, schwarzer Pfeffer und meine Spezialzutat...? er suchte im Schrank. ?Verflucht. Du, bist du mal so lieb und schaust mal, ob im Vorratsregal unten noch Worcestersauce steht??

?Im Keller?? fragte ich. Kellertreppe. Ich f?hlte, wie mein Herz zu flattern begann.

?Ja, genau. Hinten in dem kleinen Holzregal. Ich bin sicher, dass ich vor ein paar Wochen noch eine Flasche auf Vorrat gekauft habe.?

Z?gernd dr?ckte ich die Klinke herunter und ?ffnete die T?r, die in den kleinen Vorratskeller f?hrte. Der Keller war dunkel. Nur das Tageslicht aus der K?che erleuchtete schwach die Kellertreppe. Ich sp?rte Angst in mir aufsteigen. Kellertreppe. Mit der Hand taste ich an der Wand nach dem Lichtschalter. Im Dunkeln gehe ich da nicht runter.

Meine H?nde tasten nach dem Schalter. Etwas lehnt auf dem oberen Treppenabsatz an der Wand. Spaten. Ich h?re Ruben hinter mir am Herd herumwerken. Leise schlie?e ich die T?re wieder und gehe langsam, r?ckw?rts auf die K?chent?r zu. Ruben scheint mich nicht zu bemerken. Fort, einfach nur fort. Weg hier. Aber warum? Warum, Ruben? Das Herz h?mmert wild von innen gegen meine Rippen. Es ist, als bewege sich der Boden unter mir. Meine Augen suchen eilig den Raum ab. Da.

Jetzt dreht Ruben sich um. ?Schatz? Was machst du denn da? Ich dachte, du wolltest in den Keller gehen.?

Das w?rde dir so passen. Mit dem R?cken zur Wand schiebe ich mich langsam vorw?rts. Die Anrichte ist fast in Reichweite.

?Schatz?? Ruben macht einen Schritt auf mich zu. Mein Herz schl?gt wie verr?ckt. ?Ist alles in Ordnung?? Jetzt oder nie. Ich strecke den Arm aus und bekomme den Griff des gro?en K?chenmessers zu fassen.

?Was machst du denn da?? Tu doch nicht so ?berrascht. Ich wei? doch, was du vorhast. Er kommt langsam auf mich zu. Bleib mir ja vom Leib!

?Komm mir nicht zu nahe!? rufe ich und hebe das Messer.

?Aber Schatz, so beruhige dich doch. Ganz ruhig. Leg doch das Messer weg.?

Ich schreie, drehe mich um, laufe. Fort, nur fort. Weg von hier, raus hier. Angst presst meine Lungen zusammen. M?rder! Spaten...Rot...Blut. Schreie. Meine Schreie. Mein Blut. Ich drehe mich nicht mehr um, ich laufe, so schnell meine Beine mich tragen. Einfach nur fort. Weg von hier. Ich muss weg. Ich sehe nicht, wohin ich laufe, wei? nicht, ob er mir folgt. Meine Faust ganz fest um den Messergriff geschlossen. Fort. Polizei. Da, schneller. Ich laufe.

****

In meiner Laufbahn als Polizist habe ich schon viel Unvorstellbares erlebt, mit der Zeit wird es zur Gewohnheit. Wenn man sich t?glich damit auseinandersetzt, was Menschen anderen Menschen antun k?nnen, jeden Tag Zeuge von Gewalt und Grausamkeit wird, gibt es nicht mehr viel, was einen in Erstaunen versetzten k?nnte. Dennoch erlebe auch ich in meinem Beruf hin und wieder noch Dinge, die mich aus der Routine rei?en und die ich mir mit dem gesunden Menschenverstand nicht erkl?ren kann.

Ein solcher Fall ist mir gerade im letzen Monat untergekommen. Beamte hatten eine v?llig verst?rte junge Frau auf der Stra?e aufgegriffen. Sie war mit einem K?chenmesser bewaffnet und beteuerte immer wieder, ihr Lebensgef?hrte plane, sie mit einem Spaten zu erschlagen. Sie habe es im Traum gesehen. Zun?chst glaubten die Kollegen, es mit einer geistig Verwirrten zu tun zu haben und brachten die junge Frau in eine Klinik. Tats?chlich stellte sich heraus, dass die Frau in psychotherapeutischer Behandlung war, weil sie in einer vorherigen Beziehung von ihrem Lebensgef?hrten stark misshandelt worden war.
Zwar glaubten die Kollegen, dass die Frau sich die unmittelbare Bedrohung nur einbildete, beschlossen aber trotzdem einmal bei ihrem aktuellen Lebensgef?hrten vorbeizufahren.

Der junge Mann, den die Kollegen antrafen, schien h?chst besorgt und hatte seinerseits bereits mit der Polizei telefoniert. Er lie? die Beamten bereitwillig ins Haus und gab an, er k?nne sich das Verhalten seiner Freundin nicht erkl?ren. Sie sei pl?tzlich und v?llig ohne Grund mit dem Messer auf ihn losgegangen und habe dann fluchtartig das Haus verlassen. Beinahe zuf?llig fanden die Beamten im Hause des Lebensgef?hrten tats?chlich den Spaten, der auch, wie von der Frau angegeben, im Kellerabgang an der Wand lehnte. Auf dem Werkzeug entdeckten sie Spuren von Blut. Der Hausbesitzer bestritt, davon etwas zu wissen, der Spaten habe schon dort gestanden, als er eingezogen war.

Als die Kollegen den Keller des Hauses genau untersuchten fanden sich auch dort Blutspuren. Bei der darauf folgenden Durchsuchung fanden die Beamten unter dem Kellerboden die sterblichen ?berreste einer Frau und der Hausbesitzer Ruben Doyle wurde als dringend tatverd?chtig vorl?ufig festgenommen.

Wie sich jedoch bald herausstellte, lag die Leiche der Frau schon mehrere Jahre unter dem Kellerboden des Hauses. Sie musste dort begraben worden sein, noch bevor Doyle das Haus kaufte. Schlie?lich konnte die Tote aus dem Keller mit einigem Gl?ck als eine gewisse Elsie Hooper identifiziert werden, die f?nf Jahre zuvor von ihren Eltern vermisst gemeldet und zuletzt nicht unweit des Hauses gesehen wurde, in dem man die Leiche fand. Der Vorbesitzer des Hauses wurde ausfindig gemacht, festgenommen und zeigte sich gest?ndig.

Elsie Hooper war im Streit aus dem Hause ihrer Eltern ausgezogen. Sie war zun?chst bei einer Freundin untergekommen, lernte aber bald einen Mann kennen, Burkhard Wilkes, und zog bei diesem ein. Wegen seiner krankhaften Eifersucht kam es immer h?ufiger zu Streitereien und als Elsie Hooper seine Eifersucht und seine Wutanf?lle nicht l?nger ertragen konnte, teilte sie Wilkes mit, dass sie ihn verlassen wolle. Daraufhin schickte er sie unter einem Vorwand in den Keller, wo er sie auf der Treppe mit einem Spaten erschlug und ihre Leiche vergrub.

Bis heute kann ich mir nicht erkl?ren, wie Doyles Lebensgef?hrtin Details dieser Tat kennen konnte. Letzten Endes aber waren es tats?chlich die Tr?ume dieser Frau, die zur Aufkl?rung eines Mordfalles f?hrten.
30.3.05 23:55
 


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