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Faszination Mittelalter

Hallo!

Ich melde mich von meinem Krankenlager. Mich hat es mit Erkältung und Blasen/Nierenentzündung darniedergestreckt, was mir aber auch mal wieder ein bisschen Zeit gibt, mein Blog zu pflegen. (Meine Oma hat mal einen ganzen Groschenroman geschrieben, als sie mit einer Nierenentzündung im Bett liegen musste). Dank moderner Technik ist ja auch das Internet vom Bett aus erreichbar. Es lebe WLAN.

Doch so segensreich die modernen Technologien auch sein mögen, irgendwie gibt es da ja doch noch die Sehnsucht nach Zeiten, in denen die Welt noch nicht so kompliziert war. In denen es noch Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Himmel und Hölle gab und in denen es ganz selbstverständlich war, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich kein Mensch erklären kann. Zeiten in denen Wunder, Aberglaube und Magie zum Lebensalltag gehörten.

So übt heute das Mittelalter, trotz - oder gerade wegen (?) - seiner düsteren Aspekte eine starke Faszination auf die Menschen aus. Das zeigt sich nicht nur im Boom der Fantasy-Literatur, -Filme und -Rollenspiele, auch das ganz reale, historische Mittelalter lässt grüßen, wenn man einen der zahlreichen Mittelaltermärkte besucht.

Just geschehen am vergangenen Wochenende, wo ich beim "Mittelalterlich Spectaculum" in Telgte war. Natürlich, wie sich das gehört, auch in entsprechender Gewandung (Foto folgt). Selbstverständlich wird auf historische Authentizität bei einer solchen Großveranstaltung nicht ganz so viel Wert gelegt, so dass sich ein ziemlich bunter Haufen an Kostümen vom Goth bis zum Burgfräulein findet und auch verschiedene Zeiten und Epochen werden gemischt, so dass sich vom Hochmittelalter bis zur Rennaissance eigentlich auch alles an Kostümen findet. Darunter mischt sich dann noch das zurückhaltendere "wir wollen nur gucken"-Publikum. Dennoch entsteht durch Musik, Kostüme und die "Heerlager" der um historische Korrektheit bemühten Gruppen eine Atmosphäre, die es erlaubt, sich in eine andere Zeit hineinzuträumen.

Das Angenehme dabei ist, dass das moderne Wissen um Zahnpflege und Körperhygiene dem Genuss doch sehr entgegenkommt und auch Pestumzüge, Sklavenhandel und Hexenverfolgung hier nur Show-Charakter haben. Eigentlich, so möchte ich meinen, war das Mittelalter keine besonders angenehme Epoche. War man als Unfreier geboren, hatte man ohnehin nicht viel zu lachen, aber auch ein Leben im Ritterstand war nicht unbedingt ein Fingerschlecken. Nun ja, beim Essen vielleicht schon, denn hauptsächlich wurde das ja mit den Fingern erledigt. (Wobei es die Etikette selbstverständlich verbot, sich während des Essens mit der Hand unter dem Gewand zu kratzen. Das hatte - so der Mittelalter-Knigge - so zu erfolgen, dass man durch den Stoff zu kratzen hatte.)

Zugige dustere Butze mit dicken kalten Steinmauern, nur ein Zimmer anständig beheizbar, kein fließend Wasser und wenn man Pech hatte, wurde man auch noch belagert. Vom mittelalterlichen Abort ohne Brise OneTouch und Hakle Superflausch mal ganz zu schweigen. Da sind die Dixie-Klos, die im "modernen Mittelalter" aufgestellt wurden, der reinste Luxus gegen.

Auch mit der Lebenserwartung war es nicht unbedingt so weit her. Vor allem nicht als Frau. Wenn frau nicht bei irgendeiner ihrer zahlreichen Geburten im Kindbett starb, dann erledigten das sicher irgendwann Pocken, Cholera und Pest oder vielleicht einfach die Mangelernährung.

Kurzum...im tatsächlichen historischen Mittelalter zu leben, war sicherlich nicht lustig. Oder sagen wir mal so, wäre für uns verweichlichte, verwöhnte moderne Komfortmenschen schon nach einer sehr kurzen Zeit vermutlich unerträglich. Dennoch, irgendwie scheint die Sehnsucht da zu sein nach einer Welt, in der nicht alles wissenschaftlich erklärbar und "machbar" scheint, in der das kollektive Wissen der Menschheit vielleicht noch in ein 20-bändiges Lexikon gepasst hätte. In der man wusste, woran man glauben, wonach man streben und was man zu fürchten hatte.

Unsere "entzauberte" moderne Welt ist so kompliziert geworden, dass man manchmal Angst hat, sich darin zu verlieren. Man hat so viele Möglichkeiten, so viel Wahl...so viele Lebenswege, die man beschreiten könnte....
Und ist denn wirklich die Wissenschaft der Weisheit letzter Schluss? Ist da nicht noch mehr?

Vielleicht ist es diese Sehnsucht, die uns zurück auf das Mittelalter blicken lässt. Sicherlich kommt noch die kindliche Freude am Verkleiden hinzu: einfach einmal jemand anders sein.

Und...nach einem Wochenende im Zelt mit Dixie-Klo und Zähneputzen mit Mineralwasser freut man sich ja vielleicht auch wieder etwas bewusster über die zivilisatorischen Annehmlichkeiten des modernen Alltagslebens.

In diesem Sinne...tandaradei...
von der mittelalterlichen
Doro
25.8.07 13:02
 


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