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Kurzgeschichten

Das letzte Geheimnis

Kelura blieb einen Augenblick stehen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und beschattete seine Augen mit der flachen Hand. Drohend stand die Sonne hoch über ihm. Es war, als wolle die rotglühende Scheibe den gesamten Himmel über ihm einnehmen. Sehnsüchtig blickte er auf die lederne Trinkflasche an seinem Gürtel. Nein, er würde jetzt noch nicht trinken. Das Wasser musste noch für den Rückweg reichen. Sein Vater würde stolz auf ihn sein. Eine Woche lange hatte er der Wüste getrotzt, hatte die Aufgaben gelöst und den Stein von Tilagra gefunden. Wenn er ins Dorf zurückkehrte und ihn dem Kilomar überbrachte, war er ein Mann.

Plötzlich ließ ein ohrenbetäubender Lärm Kelura zusammenzucken. Ein Sirren und Pfeifen erfüllte die flirrende Luft und dann sah Kelura auch, was dieses Geräusch verursachte. Etwas schien vor ihm aus dem Himmel zu stürzen und zog einen langen Feuerschweif hinter sich her. Kelura warf sich zu Boden. Warum zürnten die Götter mit ihm? Er hatte doch alle Prüfungen bestanden und den Stein gefunden. Mit einem dumpfen Krachen schlug das Etwas in den Boden ein und wirbelte dichte Wolken roten Sands auf, die mit unglaublicher Geschwindigkeit heranrasten. Der Boden zitterte. Instinktiv schloss Kelura Augen und Mund, zog rasch die Decke aus seinem Bündel hervor und wickelte sich so gut es ging darin ein. Zitternd kauerte er am Boden und hielt die Decke fest um sich gezurrt. Sandstürme gab es hier oft und er hatte gelernt, sie zu fürchten. Als sich die Wolken endlich gelegt hatten, rappelte Kelura sich hoch und schüttelte den Sand von seinem Rücken. In einiger Entfernung konnte er einen tiefen Krater im Sand erkennen, aus dem dichter schwarzer Rauch aufstieg. Hunger, Durst und Erschöpfung schienen plötzlich ebenso vergessen wie sein Stolz über die gewonnene Männlichkeit. Dies war weit größer als die Tilagra-Prüfung: die Götter hatten ein brennendes Zeichen vom Himmel geschickt. Er musste den Ältestenrat davon unterrichten. Kelura zurrte sein Bündel an seinem Gürtel fest und lief so schnell ihn seine Beine tragen konnten zurück zum Dorf.

Sofort hatten sich die Männer aufgemacht, um mit eigenen Augen zu sehen, was Kelura ihnen berichtet hatte. Sie standen am Rande des Kraters und blickten ängstlich in die Tiefe. Am Boden dampfte es immer noch, aber man konnte erkennen, dass dort schwarz verkohlte Bruchstücke des Etwas verstreut lagen, das aus dem Himmel gefallen war. Die jüngeren Männer bauten die Zelte auf, damit sich die Ältesten zurückziehen und beraten konnten, was zu tun sei. Die Lage schien ernst. Die Trockenzeit dauerte in diesem Jahr länger als gewöhnlich und nun hatten die Götter Flammen vom Himmel geworfen. Man musste nachdenken, was den Zorn der Götter erregt hatte. Doch die Ältesten waren ratlos. Sie hatten weder Fleisch verschwendet noch vergessen für die erfolgreiche Jagd zu danken, zu opfern oder der Ahnen zu gedenken. Während sie noch berieten, trat Kelura zu ihnen in den Kreis und bat darum, sprechen zu dürfen.
"Zwischen den schwarzen Brocken am Boden liegt noch etwas", erklärte er atemlos. "Ich habe es gerade entdeckt. Es glänzt wie die Sonne selbst."
Erstaunte und hoffnungsvolle Blicke waren auf Kelura gerichtet. Vielleicht waren die Götter gar nicht zornig, sondern hatten ihnen ein Zeichen gesandt.
Nachdem die Ältesten sich abermals beraten hatten, beschloss man abzuwarten, bis das Feuer verloschen war. Dann sollte ein mutiger Mann in den Krater hinabsteigen um zu bergen, was auch immer dort am Boden lag. Nach abermaliger langer Diskussion war man sich einig, dass Kelura diese Ehre gebührte. Kelura, dem die Götter dieses Zeichen geschickt hatten.

Die Männer hockten im Schatten der Zelte und warteten ungeduldig. Der Kilomar zeichnete mit einem Stock Figuren in den Sand und starrte zu der Stelle hinüber, an der Kelura eben in den Krater hinabgestiegen war. Als Kelura endlich wieder auftauchte, hielt er etwas in den Händen, das im Licht der Sonne zu glühen schien. Als er näher kam, erkannten die Männer, dass es eine große, flache Scheibe war. Kelura brachte sie dem Kilomar, der sie eingehend betrachtete und befühlte und sie dann an die anderen Ratsmitglieder weiterreichte. Ehrfürchtig und neugierig betasteten auch sie die Scheibe. Sie war aus einem Material gefertigt, das sie noch nie gesehen hatten, härter als gebrannte Tonerde und glänzend wie der Rücken einer Naali-Schlange. Die Sonnenstrahlen tanzten darauf wie auf einem See. In die Oberfläche der Scheibe waren fremdartige Symbole eingeritzt. Der Kilomar betrachtete die Zeichen und fuhr mit dem Finger darüber. "Eine Botschaft der Götter", stieß er heiser hervor und verzog die Lippen zu einem Lachen, das seine zwei verbliebenen spitzen, gelblichen Zähne entblößte. Der Kilomar war der älteste unter ihnen und konnte Zwiesprache mit den Geistern der Ahnen halten. Ihm fiel es zu, wichtige Zeichen zu deuten. Er las aus den Eingeweiden der Ngoris, aus dem Zug der Sterne, der Sonne und der Monde am Himmel.

Magister Aruna rieb sich die Augen und las den Brief noch einmal. Konnte es möglich sein? Hatten sie endlich den Schlüssel entdeckt? Er hatte das Gefühl, sein Herz habe soeben für einen kurzen Moment aufgehört zu schlagen. Es ließ sich überhaupt nicht in Worte fassen, welche Bedeutung ihre Entdeckung haben würde.
Die goldene Scheibe des Propheten Kelura! Die Religion, die gesamte Kultur, alles fußte auf der Hoffnung, ihr eines Tages das höchste Geheimnis entlocken zu können. Die Antwort auf die letzte aller Fragen, die Frage nach dem Leben, dem Sinn, dem letzten Grund für alles. Und wenn sein Kollege Recht hatte, dann lag der Schlüssel zu diesem Geheimnis in simpler, nüchterner Physik.

Die Spannung war kaum zu ertragen. Noch immer hatte der Regen nicht eingesetzt und der Kilomar hatte sich in seine Grashütte zurückgezogen und fastete seit zehn Tagen. Am zwölften Tag war die Luft schwer und drückend und die Menschen im Dorf unruhiger denn je, als schließlich entferntes Donnergrollen den kommenden Regen ankündigte. Als die ersten, schweren Tropfen klatschend auf den rissigen Boden fielen, trat der Kilomar vor seine Hütte und hielt die Scheibe hoch über seinen Kopf. Die Geister hatten ihm geholfen, die Botschaft der Götter zu deuten.

Aruna betrachtete erneut die Symbole auf dem vergoldeten Futteral, das die Scheibe enthielt. Schon früh hatten die Gelehrten versucht diese Symbole zu deuten. In der Zeit des ersten Propheten hatte man die Zeichen als eine Darstellung der Schöpfungsgeschichte gedeutet. Der Kreis in der linken oberen Ecke stellte die Sonnenscheibe dar, die den Feuergott Aaru gebar. Damals glaubte man, dass die Sonne eine flache Scheibe sei. Die Darstellung darunter zeigte die Sonnenscheibe von der Seite. Sie ruhte auf dem Felsen Kipoor, der die Scheibe nur auf einer Seite stützte. Als Aaru heranwuchs, wurde er ungestüm und wollte mit seinem Feuerwagen die Sonne umrunden. Als er die andere Seite erreichte, kippte die Scheibe und Aaru stürzte mit seinem Feuerwagen in den Urschlamm. So erschuf Aaru Tag und Nacht. Die Zeichnung in der unteren linken Ecke - ein Punkt von dem sternförmig unterschiedlich lange Strahlen ausgingen - stellte dar, wie der Urschlamm zu allen Seiten spritzte und dabei Berge, Täler, flaches Land und Ozeane entstanden. Diese waren in den gezackten Linien in der rechten oberen Ecke dargestellt. In der Mitte waren zwei Rechtecke zu sehen. In dem einen war die Sonnenscheibe abgebildet, die seit Aarus Sturz nun senkrecht am Himmel hing und in dem anderen war der vom Himmel strömende Regen abgebildet: der Wechsel von Trockenheit und Regenzeit, der entstand, wenn die Sonne sich umdrehte und der Welt ihre Kehrseite zeigte. Darunter waren zwei Kreise abgebildet, die durch eine waagerechte Linie verbunden waren. Der linke Kreis mit dem nach innen gerichteten Strich - als Symbol für die Vagina - zeigte die Frau, der rechte mit dem nach außen gerichteten Strich - einem stilisierten Phallus - den Mann.

"Ein Mann und eine Frau, untrennbar verbunden, so wollen es die Götter", erklärte der Kilomar und warf dem Häuptling Ilgoli einen langen, sehr ernsten Blick zu, der im Kreise seiner fünf Hauptfrauen hockte. "Nur eine Frau", wiederholte der Kilomar eindringlich. In dieser Frage waren sich der Kilomar und der junge Häuptling stets uneins gewesen.
Ilgoli sprang auf. "Kein Wort ist davon wahr!" rief er zornig und schüttelte die Fäuste in einer drohenden Gebärde. "Vierzehn Söhne und acht Töchter habe ich dem Volk geschenkt. Ich frage dich, alter Mann: wer wird Wurzeln und Beeren sammeln und dir Grütze kochen, wenn auch deine letzen Zähne noch ausfallen?"
Ilgoli machte eine ausladende Geste mit den Armen, ließ das Weiß seiner Augen aufblitzen, um seinem Zorn Ausdruck zu verleihen und wandte sich an die übrigen Dörfler, die im Halbkreis um die Hütte des Kilomar hockten. "Wollt ihr in dieser Angelegenheit einem alten Narren folgen, dessen Lenden schon lange vertrocknet sind? Was weiß er schon von Frauen? Aus ihm spricht nichts als der Neid!"
Die Dörfler starrten den Häuptling mit aufgerissenen Mündern an. Schon lange hatte ein Konflikt zwischen dem ungestümen jungen Häuptling und dem weisen Alten geschwelt, doch noch nie zuvor hatte jemand es gewagt, dem Kilomar öffentlich die Stirn zu bieten, auch Ilgoli nicht. Doch nach einer Weile fingen einige der jungen Jäger an zu kichern und scharten sich um Ilgoli.

Aruna öffnete bedächtig die Hülle, entnahm ihr die goldene Scheibe und einen länglichen metallenen Gegenstand und betrachtete beide Gegenstände aufmerksam im Licht seiner Schreibtischlampe. Was mochte passieren, wenn er endlich hinter die wahre Botschaft der Scheibe kam? Schon seit ihrer Entdeckung hatte die Scheibe für Unfrieden gesorgt und immer wieder Fragen aufgeworfen. In jener Zeit war eine Vielzahl religiöser Schriften entstanden, die von der Entstehung der Welt und den Gesetzen der Götter predigten und die Zeichen der Götter auf der goldenen Scheibe des Propheten auf unterschiedlichste Art deuteten. Über die Auslegung der heiligen Zeichen waren kriegerische Auseinandersetzungen entbrannt und auch heute noch führten unterschiedliche Interpretationen der heiligen Schriften zu großen Spannungen.
Es war ein kleines Wunder, dass es Aruna überhaupt gelungen war, eine Genehmigung für sein Forschungsprojekt zu bekommen. Es war ein politisch heißes Eisen, die heilige Schrift mit den profanen Mitteln der Wissenschaft entschlüsseln zu wollen. Viele religiöse Gruppierungen fühlten sich durch das Projekt in ihrer Existenz bedroht und einige davon waren sehr einflussreich.
Der Präsident hatte Aruna auch um äußerste Diskretion und Geheimhaltung gebeten. Bevor es keine gesicherten Ergebnisse gebe, dürfe kein Sterbenswort nach außen dringen.
Aruna kamen Zweifel. Sie schienen endlich das entscheidende Puzzleteil gefunden zu haben. Sein Kollege, Magister Laor, hatte gerade seine Ansicht bestätigt. Wenn die zwei Kreise unten rechts tatsächlich für das Wasserstoffatom standen, wies dies eindeutig auf einen simplen Binärcode hin. Damit ergäbe auch der Rest der Zeichen einen Sinn. Aber was, wenn die Scheibe überhaupt keine göttliche Botschaft enthielt? Würden Götter sich eines Binärcodes bedienen, um mit ihren Geschöpfen zu sprechen? Wenn es ihnen tatsächlich gelänge, der Scheibe ihr Geheimnis zu entlocken, würden sie wirklich die Stimme der Götter vernehmen?
Aruna wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sollte es so einfach sein, der Scheibe das letzte aller Geheimnisse abzutrotzen? Fast zweitausend Jahre hatten sie die Antwort in Händen gehalten und sie nicht richtig deuten können.

Laor hatte einige Zeit gebraucht, um Berechnungen anzustellen. Wenn er Recht hatte und der Schlüssel in der Darstellung des Wasserstoffatoms lag, würden sie bald das letzte aller Geheimnisse kennen.
"Auf uns lastet eine große Verantwortung, Aruna", sagte er. "Wir können der Welt neue Hoffnung geben, aber auch all ihre Hoffnungen vernichten."
"Ich weiß", nickte Aruna. "Darüber habe ich auch schon nachgedacht."
"Vielleicht, mein Freund", Laor ließ die Worte bedächtig von seiner Zunge rollen, "sollten wir nicht weitergehen. Wir könnten behaupten, unsere Forschungen seien gescheitert." Er sah Aruna lange an.
"Auch darüber habe ich bereits nachgedacht", sagte Aruna, nahm die längliche Metallkassette aus der Hülle und spannte sie in die Vorrichtung. "Aber nun sind wir zu weit gekommen. Möchtest du nicht endlich eine Antwort erhalten?"
Laor nahm die Scheibe aus Arunas Händen. "Du hast wahrscheinlich Recht. Wir sollten zunächst sehen, ob wir die Botschaft tatsächlich entschlüsseln können."
Er steckte die Scheibe auf einen metallenen Dorn in der Vorrichtung und schob die Kassette über den Rand.
"Wenn wir mit der Theorie vom Hyperfeinstrukturübergang des Wasserstoffs richtig liegen und meine Berechnungen stimmen", sagte er und drehte an einem Knopf, "dann kennen wir die exakte Rotationsgeschwindigkeit, die die Scheibe haben muss, um die Botschaft mit Hilfe der Nadel in der Kassette ablesen zu können."

Eine größere Sensation hätte man sich kaum vorstellen können. Kein spiritueller Führer, kein Religionsgelehrter, nein, ein Kryptologe und ein Physiker würden die letzte aller Wahrheiten aufdecken. Laor und Aruna sahen sich an und wagten kaum zu atmen, als Laor auf ein Kopfnicken Arunas hin den Knopf drückte.
Es knackte und knisterte und dann hörten sie es: Es war eindeutig Sprache. Worte, die sie nicht verstehen konnten, aber es war Sprache. Es würde lange Zeit und ein Team der fähigsten Sprachwissenschaftler brauchen, um diese Botschaft in ihre eigene Sprache zu übertragen. Aruna zuckte verlegen mit den Schultern. Damit hätte er eigentlich rechnen müssen. Also waren sie noch immer nicht weiter gekommen. Doch nach einer Weile verstummten die Stimmen und sie hörten etwas, das ihre Herzen noch schneller schlagen ließ. Es war wie die Verheißung der Goldenen Immerwelt, ein Vorgeschmack auf ihre Farben, ihre Bilder und ihre Geräusche. Dort gab es Vögel, die noch schöner sangen als der scharlachfarbene Katuba. Wasser rauschte, sprudelte, plätscherte. Man stelle sich vor! Wasser in rauen Mengen! Sauberes Wasser war in den letzten Jahrzehnten durch Klimaveränderungen und industrielle Verunreinigung immer knapper geworden.
Die langwierige Arbeit, das Rätseln und Rechnen hatte sich am Ende doch gelohnt. Die bange Erwartung, die Angst, dass die Scheibe kein großes Geheimnis bergen würde, all das fiel wie schwere Lasten von ihren Schultern. Aruna und Laor lagen sich in den Armen und weinten.

Es war eine Sensation. Die Nachricht von der Entschlüsselung der Scheibe hatte eine Euphorie ausgelöst, die kaum mit Worten zu beschreiben war. Es waren einige Jahre ins Land gegangen, seit Aruna und Laor zum ersten Mal gelungen war, die Scheibe abzuhören. Die Wissenschaftler hatten lange Zeit unter strengster Geheimhaltung fieberhaft daran gearbeitet, die Botschaft zu entschlüsseln und zu übersetzen. Man hatte Angst, dass es zu Unruhen in der Bevölkerung käme, wenn die Nachricht nach außen dränge, bevor es gelungen war, die Botschaft zu entschlüsseln. Schließlich war es aber so weit. In den Städten versammelten sich Hunderttausende auf den Plätzen, um die Übertragung der Botschaft auf Großleinwänden mitverfolgen zu können.

In fünfundfünfzig verschiedenen Zungen grüßten die Götter ihre Geschöpfe und überbrachten ihnen die Geräusche der Immerwelt. Als aber schließlich die göttliche Musik ertönte, hielt der gesamte Planet den Atem an. Viele ließen sich auf die Knie fallen und erhoben die Hände zum Himmel. Diese Musik war das Schönste, was ihre Ohren je vernommen hatten und sie wussten, dass die Götter ihnen vergeben hatten. Durch die Entdeckung der Magister Aruna und Laor hatte die Immerwelt einen Namen erhalten, den Namen, den die Götter ihr gegeben hatten: "Erde". Aber nicht nur einen Namen hatte die Heimat der Götter bekommen. Die größte Sensation war, dass die goldene Scheibe nicht nur das Versprechen der Heimkehr zu den Göttern enthielt, sie enthielt auch eine genaue Beschreibung, wo "Erde" zu finden war.

Niemand hätte die Gefühle beschreiben konnten, die die Zuhörer bewegten. Freude, Ehrfurcht, Liebe ließen sie singen, tanzen, lachen. Fremde lagen sich in den Armen und weinten vor Glück, so wie Aruna und Laor, als sie vor Jahren zum ersten Mal die Botschaft hörten.

Noch war die Wissenschaft nicht so weit, aber in nicht allzu ferner Zukunft würde man Schiffe bauen können, die sie nach Erde tragen würden. Darauf ruhte nun alle Hoffnung. Man würde alle Probleme zurücklassen, Krankheit, Leid, Hunger, Krieg und Not hätten ein Ende, denn die Götter hatten ihnen den Weg gezeigt.
12.6.06 22:48


Königin der Nacht

Was f?r eine selten d?mliche Idee sich ausgerechnet hier zu treffen!
Um mich herum wuseln Menschen aller Nationalit?ten und Hautfarben, posieren f?r Fotos, lachen, schwatzen, sitzen auf den Stufen und picknicken oder lauschen dem Stra?enmusikanten mit den langen Haaren und der Lederjacke, der laut und ziemlich schr?g "Hey Jude" von den Beatles zum Besten gibt und sich dabei selbst auf der Gitarre begleitet. Trauben von Menschen schieben sich in Richtung der Theater oder der Kinos am Leicester Square.
"Am Eros-Brunnen", hatte er gemailt. Davon, dass der Eros-Brunnen mitten am verdammten Piccadilly Circus steht und dort allem Anschein nach abends die H?lle losbricht, hat er nat?rlich nichts geschrieben.
Wie soll man sich hier in diesem Gew?hl blo? finden? Ach ja. Noch so eine bescheuerte Idee...
Ich komme mir l?cherlich vor, als ich das Notenblatt aus meinem Rucksack fische und es deutlich sichtbar vor mich halte. Wenn ich doch wenigstens ein Foto von ihm h?tte. Na ja, eines, auf dem man auch sein Gesicht sieht.
Er hat mich einmal gefragt, wo ich bei einem Mann zuerst hinschaue. "Auf seine H?nde" hatte ich spontan geantwortet. Kurz sp?ter kam ein Brief aus England. Kein Wort, nur ein Umschlag mit einem Foto seiner H?nde. Sch?ne H?nde. K?nstlerh?nde. Er hatte auch nie ein Foto von mir gewollt. Das ?u?ere eines Menschen sage schlie?lich ?berhaupt nichts ?ber ihn aus, meinte Liam. So etwas war typisch f?r ihn. Schr?g, irgendwie exzentrisch, ein bisschen verr?ckt, aber doch auf dem Boden der Tatsachen. Er war schlagfertig, witzig und irgendwie anders. Genau das war es, was mich von Anfang an in Bann geschlagen hatte.

mozart_UK: Hi there!
cassie: Hi. U like Mozart?
mozart_UK: Nope. Just thought the nick would impress the ladies.
cassie: I see.
/mozart_UK whispers@cassie: Silly question?kind of begged for a silly answer. ;-) 'Course I like Mozart. And you?

Kann man jemanden lieben, den man nie zuvor gesehen hat? In der Anonymit?t des Internets den Traumprinzen finden? Den Mann, der zuh?ren kann, der Humor hat, der meine Leidenschaft f?r klassische Musik teilt, der romantisch sein kann und spontan, aber dann auch wieder ernst, nachdenklich und eine treue Seele? Und ich bin seine "K?nigin der Nacht". So nennt er mich, wenn er mir mailt oder wir telefonieren. Das gef?llt mir. Auch seine Stimme gef?llt mir. Vielleicht war ja auch alles nur Masche, sein Spiel. Vielleicht hat Manu Recht.

"Nach London fliegen? Mensch, du bist doch echt bekloppt. F?r irgend so einen Typen aus dem Chat?"
"Liam ist nicht irgend so ein Typ."
"Aber du kennst den doch ?berhaupt nicht, Caro. Das kann der totale Psycho sein!"
"Wir schreiben uns doch schon ein Jahr und telefonieren st?ndig."
"Aber Leute k?nnen sich verstellen. Pass blo? auf dich auf. Das k?nnte genauso gut ein Perverser sein oder ein M?rder, was wei?t du schon ?ber ihn? Fahr ja nicht direkt zu seiner Wohnung oder so. Mach irgendeinen Treffpunkt in der ?ffentlichkeit aus. Was wei? ich...ein Caf? oder so."

Nun, ?ffentlicher k?nnte der Treffpunkt wirklich nicht mehr sein. Ver?rgert drehe ich mich herum, als ich einen Ellenbogen in der Seite sp?re.
"Oh, I'm sorry, babe." Ein junger Mann mit aschblondem Wuschelkopf. Mensch, sieht der gut aus! Ganz dunkelbraune Augen mit unheimlich langen Wimpern. Er grinst breit, schaut dann neugierig auf mein Notenblatt, zwinkert mir zu und schlendert weiter.
Ob er das war? Das s?he Liam irgendwie ?hnlich, einfach weiterzugehen und zu warten, ob ich ihn anspreche. Ich schlucke, nehme meinen Mut zusammen und tippe dem fremden Mann auf die Schulter.
"?h...excuse me..." stammele ich und verfluche meinen scheu?lichen deutschen Akzent. Durch die Telefonate mit Liam hat er sich immerhin etwas abgeschw?cht. "Are you...Mozart?"
Der Mann schaut verwirrt, lacht schlie?lich los. "No, sorry, babe. I'm Bach."
Ich kann f?rmlich sp?ren, wie mir das Blut in die Wangen schie?t.
"Oh...", stottere ich, w?hrend ich mir w?nsche, dass sich der Erdboden auftut und mich verschluckt, "...sorry, I thought you were someone else."
Er grinst und meint, wenn meine Verabredung mich sitzen gelassen habe, k?nne ich ja mit ihm einen Kaffee trinken gehen. Ich lehne dankend ab und tauche so schnell es geht in die Menge.
Gott, wie peinlich!
Ich bin f?r so etwas nicht gemacht. Liam h?tte mir wenigstens seine Handynummer geben k?nnen. Dann w?re es wesentlich einfacher, ihn zu finden.

Aber das w?re nicht sein Stil. Viel zu einfach, zu einfallslos. Mir wird klar, er will, dass ich ihn suche, dass ich ihn irgendwie erkenne. Vielleicht will er aber auch einfach nur Zeit haben, mich vorher in Ruhe anzuschauen. Und wenn ich ihm nicht gefalle, dann geht er wieder, verschwindet, ohne sich etwas vergeben zu haben und meldet sich nie wieder. Das Herz rutscht mir in die Hose. Vielleicht war es doch ein Wahnwitz hierher zu kommen, um mich mit ihm zu treffen, mein Herz derart an einen Unbekannten zu h?ngen, von dem ich nicht wei?, ob er genauso empfindet. Der Flug war nicht gerade billig, von meinen Telefonrechnungen im letzten Jahr einmal ganz zu schweigen.

Entmutigt lasse ich mich auf die oberste Stufe der Treppe sinken und schaue dem bunten Treiben auf dem Piccadilly Circus ein bisschen zu: den Autos, Taxen und Bussen, wie sie sich, Sto?stange an Sto?stange um den Platz schieben und ?ber ihnen die funkelnden Neon-Reklamen blinken, ein riesiges Kirmeskarussell. Dar?ber throne ich, ?berschaue die bunte Masse der Touristen und Vergn?gungss?chtigen, die vorbeizieht, h?re das babylonische Sprachengewirr, das Hupen, das Dr?hnen des Verkehrs. Der junge Mann mit der Gitarre l?sst sich davon nicht schrecken und singt - beziehungsweise br?llt - "Whisky in the Jar".



An einer der Laternen steht eine dieser lebenden Statuen. Ein Mann in altert?mlicher Tracht und Per?cke, ganz mit Bronzefarbe angespr?ht. Ganz reglos steht er, verzieht keine Miene, so lange, bis jemand Geld in seinen Hut wirft.
Irgendwie finde ich diese Menschen unheimlich. Wie Clowns oder Pantomimen. Unter der ganzen Schminke und dem starren Gesichtsausdruck kann man nicht lesen, was in ihnen vorgeht. So ?hnlich wie im Chat, f?llt mir ein. Da bekommt man auch nur eine Fassade, eine Maske pr?sentiert.





Ein paar M?dchen sind bei dem Gitarrenspieler stehen geblieben und applaudieren. Sie werfen einige M?nzen in seinen Hut.
Da f?llt mir pl?tzlich etwas ein, das Liam am Telefon gesagt hat, als wir am Abend vor meinem Abflug noch einmal telefoniert haben.
"Always remember to bring enough small change. You never know when you may need it."
Warum sollte ich immer genug Kleingeld bei mir haben? Ich glaubte, er habe es gesagt, weil die Gesch?fte sich manchmal ziemlich zieren, gr??ere Scheine anzunehmen. Das hatte ich auch in meinem Reisef?hrer schon gelesen. Aber jetzt ist alles ganz klar! Kleingeld. Nat?rlich!!

Ich stehe von der Treppenstufe auf, klopfe den Staub von meiner Jeans und schl?ngele mich durch das vielfarbige Gewusel, w?hrend ich ein paar M?nzen aus meiner Geldb?rse krame und mit meinem Notenblatt wedele. Ich komme mir bescheuerter vor als je, aber das ist jetzt nicht wichtig. Das Kleingeld im Hut klimpert leise, als ich die M?nzen hineinwerfe.

Ein L?cheln macht sich auf dem Bronzegesicht breit und gr?ne Augen strahlen mich an.
Mozart steigt von seinem Gem?sekistensockel, verbeugt sich tief, nimmt meine Hand und ber?hrt sie sachte mit den Lippen.
"Welcome, Queen of the Night."
12.2.06 00:40


Der Zahn der Zeit

Flederm?use stoben erschrocken in alle Richtungen davon, als die modrigen Schlossmauern von einem Gebr?ll erbebten, das sogar das Heulen der W?lfe und das gr?ssliche Gewitter zu ?bert?nen vermochte, das Schloss Grozav umtobte. Der alte Graf Liliac hatte soeben einen Wutanfall, der sich gewaschen hatte. Sein Gebiss war verschwunden. Und nicht nur das, auch Per?cke und H?rger?t waren unauffindbar.

Bei einem normalen Menschen w?re dies vielleicht kein Drama gewesen, bei Graf Liliac war die Sache durchaus heikler.

Nicht genug damit, dass ihn vor f?nfhundert Jahren ein ?beraus gefr??iger Vampir in diese missliche Lage gebracht hatte, indem er in nur einer Nacht die gesamte gr?fliche Familie in Vampire verwandelte. Diesem Umstand verdankte es der alte Graf, dass er das vergangene halbe Jahrtausend damit zugebracht hatte, ?ber seinen bedauernswerten Zustand wechselweise schrecklich zornig oder zutiefst deprimiert zu sein. Ihn hatte die Unsterblichkeit in einem Alter ereilt, in dem man sich angesichts des eigenen Verfalls l?ngst mit der Endlichkeit des Lebens abgefunden hatte. Ein zahnloser Greis mit einem Kopf kahl wie eine alte Kartoffel und obendrein schwerh?rig, verdammt zum ewigen Leben. Die Schm?hlichkeit seiner Situation vermochte Graf Liliac auch heute noch in Rage zu versetzen.

Zun?chst war er gezwungen gewesen, mit einem R?hrchen das Blut aus der ge?ffneten Halsschlagader der Opfer zu saugen, die sein Sohn Dragomir f?r ihn fing. Eine erb?rmliche Existenz. ?ber die Jahre hatte er das Beste aus seiner Situation gemacht. Er hatte sich eine Per?cke gefertigt, eines transsilvanischen Vampirs absolut w?rdig, mit an den Schl?fen ergrautem Haar und einem wunderbar spitz zulaufenden Haaransatz. Dazu ein Gebiss mit liebevoll gefeilten Eckz?hnen. Fr?her hatte er zum Orten seiner Opfer ein H?rrohr benutzt, was sich als sehr unpraktisch erwiesen hatte, da er stets nur eine Hand frei hatte. Schlie?lich hatte er es jedoch in der einh?ndigen Jagd aus der Luft zu einiger Meisterschaft gebracht.
?Lasset uns den Herren loben, alles Gute kommt von oben!? pflegte der alte Herr zu sagen, wenn er ?ber seinem Opfer schwebte und es ? schwuppdich ? mit festem Griff beim Kragen packte. Seine neueste Errungenschaft war ein H?rger?t, welches seinen n?chtlichen Jagderfolg noch gesteigert hatte.

Diese drei Gegenst?nde, so muss an dieser Stelle noch einmal betont werden, sicherten dem alten Grafen Liliac ein wertvolles St?ck Lebens- oder besser Untodesqualit?t, ohne die seine prek?re Lage nur schwer zu ertragen war. Es war also nicht g?nzlich unverst?ndlich, dass der alte Liliac ob ihres Verlustes derart ungehalten reagierte.

Als er sich beruhigt hatte, dachte er nach. Gut, bisweilen war er vergesslich. Vielleicht hatte er die Sachen verlegt. Es blieb ihm nichts ?brig, als seine Familie um Hilfe zu bitten. Er bot dem Finder sogar an, mit ihm den Sarg zu tauschen. Er als Familienoberhaupt besa? nat?rlich den ger?umigsten und bequemsten.

Bald waren s?mtliche Mitglieder der gr?flichen Familie damit besch?ftigt, das Schloss nach den verschwundenen Gegenst?nden auf den Kopf zu stellen. Liliacs Schwiegertochter Ioana hatte jeden Stein in der Gruft bereits zweimal umgedreht, Sohn Dragomir das Turmzimmer einer gr?ndlichen Inspektion unterzogen, Enkel Neculai und dessen Zwillingsschwester Aurica die ?brigen R?ume durchforstet. Argw?hnisch beobachtete der Alte seinen j?ngsten Enkel Alexandru, von den Zwillingen ?Mauli? genannt. Gro?vater Liliac war schon oft mit ihm aneinander geraten, Alexandru war n?mlich strikter Voluntarier.

Voluntarier waren eine relativ junge politische Bewegung unter den Untoten. Sie waren ?berzeugt, dass es m?glich sei, sich nur vom Blut freiwilliger Spender zu ern?hren. Sie brachen in Krankenh?user und Blutbanken ein und stahlen Blutkonserven oder ern?hrten sich sogar von vegetabilen Blutersatzstoffen auf Soja- und Rote-Bete-Basis. B?se Zungen behaupteten, militante Voluntarier w?rden auch vor gebrauchten Damen-Hygieneartikeln nicht zur?ckschrecken.
Graf Liliac hielt rein gar nichts von diesem neumodischen Firlefanz. Voluntarier waren seiner Meinung nach eine Schande f?r den gesamten transsilvanischen Vampirismus.

Pl?tzlich, w?hrend die Suche immer noch in vollem Gange war, h?rten sie ein ungewohntes Ger?usch. Das hei?t, alle bis auf den alten Liliac, der ja sein H?rger?t vermisste. Es war das Ger?usch des schweren, gusseisernen T?rklopfers am Eingangsportal. An dieser Stelle sollte vielleicht erw?hnt werden, dass die Liliacs aufgrund ihrer Wohnlage und Ern?hrungsgewohnheiten nur h?chst selten Besuch bekamen.

Erstaunt sahen sie sich an, als sie in der Eingangshalle aufeinander trafen. Schlie?lich ?ffnete Neculai die T?r. Drau?en stand ein reichlich durchn?sster, vor K?lte zitternder Herr im Anzug. Hinter ihm zerriss just in diesem Moment ein greller Blitz den schwarzen Nachthimmel und zauberte groteske Schatten auf die ohnehin bleichen Gesichter der gr?flichen Familie.
?Guten Abend?, sagte Neculai. ?Sie w?nschen??
?Ich... ich war unterwegs von Ploieşti nach Braşov und muss mich verfahren haben. ?rgerlicherweise blieb dann auch noch mein Auto liegen, aber Gott hat meine Gebete wohl erh?rt und mich zu diesem Schloss gef?hrt.?
Bei seinem letzten Satz war die gesamte gr?fliche Familie, mit Ausnahme des Alten, zusammengezuckt.
?Nun, ?hm...treten Sie doch ein?, l?chelte Neculai, darauf bedacht nicht zu viel seiner scharfen Eckz?hne zu entbl??en.
Der alte Graf beobachtete die Szene mit einer gewissen Zufriedenheit. Wenn er auch ohne Gebiss und H?rger?t nicht jagen konnte, so hatte ihm das Schicksal doch in Aussicht gestellt, dass er heute fr?h nicht ohne Nachtmahl zu Bett ? pardon, zu Sarg ? gehen w?rde. Sofort machte er sich auf die Suche nach seinem H?rrohr und dem Metallr?hrchen, das er in fr?heren, zahnlosen Zeiten zum Trinken hatte benutzen m?ssen.

Als der Alte aus der Gruft wieder auftauchte, hatte man den Gast schon aus seiner nassen Kleidung gepellt und, in einen weichen Bademantel und eine Wolldecke geh?llt, vor den Kamin im Salon gesetzt. Graf Liliac rieb sich die H?nde. Doch hatte er in f?nfhundert Jahren vampirischer Existenz gelernt, es auszukosten, wenn sich die Gelegenheit bot, noch ein wenig mit dem Opfer zu plaudern. Es war recht einsam in den Karpaten. So r?ckte der Graf seinen Lehnstuhl an den Kamin.
?F?hlen Sie sich schon ein bisschen besser?? fragte er unschuldig und hob das H?rrohr.
?Oh ja?, sagte der Fremde, ?haben Sie vielen Dank. Ich bin froh ?ber diese wundersame Rettung und danke Gott, dass er mich hergef?hrt hat.?
Schmerzhaft verzog Graf Liliac den Mund, nahm das H?rrohr vom Ohr und sch?ttelte es.
Der Fremde fuhr fort: ?Haben Sie schon einmal ?ber den Glauben nachgedacht? Ich w?rde Ihnen gerne von Jesus Christus und dem K?nigreich Gottes erz?hlen.?
Graf Liliac machte ein Gesicht, als habe er gerade in eine Zitrone gebissen.
?Guter Mann, ich w?re Ihnen sehr verbunden?, sagte er, ?wenn Sie diese beiden Namen in meiner Gegenwart nicht erw?hnten. Ich bin...?berzeugter Atheist.? Er l?chelte gequ?lt.
Best?rzt sah ihn der Fremde an. ?Aber das ist ja schrecklich! W?rden Sie denn nicht gerne zu jenen geh?ren, die bei der Tausendjahrherrschaft Christi...?
?Ich bitte Sie!? unterbrach der Graf den Gast unwirsch. Doch dieser lie? sich nicht beirren.
?M?chten Sie nicht zu jenen Menschen geh?ren, die Vollkommenheit erlangen und denen, wenn das K?nigreich Gottes kommt, ewiges Leben zuteil wird??
?Pah!? schnaubte der alte Graf ver?chtlich und sprang auf. ?Ewiges Leben, papperlapapp, wenn ich das schon h?re! Was verstehen Sie schon davon, Sie Gr?nschnabel?! Ich will Ihnen mal etwas ?ber das ewige Leben erz?hlen, mein Junge! Stellen Sie sich eine Ewigkeit mit Gelenkrheumatismus, Vergesslichkeit und Schwerh?rigkeit vor! Eine Ewigkeit in einer modrigen Gruft voller Flederm?use, in der es durch jede Ritze zieht!?
Der Mann starrte Graf Liliac mit offenem Mund an. Er hatte schon viel erlebt als Prediger der Zeugen Jehovas. Menschen, die Besessene mimten um ihn abzuwimmeln und sich ?ber ihn lustig zu machen. Doch jemand wie Graf Liliac war ihm noch nie begegnet.

?Nehmen Sie meinen Schwiegervater nicht ernst?, ert?nte Ioanas Stimme hinter ihnen. Sie trat zu ihnen an den Kamin und senkte die Stimme. ?Er ist...nicht ganz dicht.?
Zum Gl?ck hatte Graf Liliac das H?rrohr in diesem Augenblick kurz herunter genommen.
?Ich wollte nur fragen, ob Sie nicht eine Kleinigkeit zu Abend essen m?chten. Wir wollten gerade speisen.? Ioana l?chelte.
?Speisen!? rief Gro?vater Liliac erfreut. ?Eine ausgezeichnete Idee! Der erste sinnvolle Vorschlag, den ich heute von meiner Familie h?re.? Er benetzte die Lippen mit seiner Zunge. Auch sein Sohn Dragomir und die Enkel waren nun herangetreten und bildeten einen Halbkreis um die beiden M?nner am Kamin. Gespannt wartete Graf Liliac auf ihren Angriff. Doch nichts geschah.
?Nun, ?hm...? h?stelte Dragomir. ?Ich glaube, wir m?ssen es ihm endlich sagen.?
?Sagen? Was sagen?!? fragte der alte Graf skeptisch.
?Wir...?, begann Ioana, ?sind alle schon seit einiger Zeit Voluntarier. So, nun ist es raus.?
?L?cherlich!? protestierte der Alte, w?hrend der Prediger verwirrt in die Runde blickte.
?Ich hab doch gleich gesagt, dass er es nicht verstehen wird?, meinte Alexandru.
?Vielleicht k?nnte mich mal jemand aufkl?ren, was hier vor sich geht?? tobte der alte Graf, w?hrend der Prediger die Gelegenheit nutzte, um sich heimlich zu erheben und eiligst davonzustehlen.
?Nun ja?, erkl?rte Dragomir betreten. ?Wir ahnten, dass du nicht zuh?ren w?rdest. Und da haben wir beschlossen...na ja...dein Gebiss und dein H?rger?t zu verstecken.?

Es fegte ein Sturm durch das alte Gem?uer, der das Gewitter drau?en reichlich blass aussehen lie?. Der Alte tobte, krakeelte, schimpfte und prustete, bis er schlie?lich ersch?pft in den Lehnstuhl sank.

?Wir wollten, dass du es wenigstens versuchst, Vater?, begann Ioana vorsichtig. ?Es gibt eine ganz k?stliche Rote-Bete-Suppe und dazu frisches Blutplasma, Gruppe AB, Rhesus positiv. Bitte tu uns doch den Gefallen.? Sie l?chelte vers?hnlich und der Graf nickte resigniert: ?Nun gut.?

W?hrend er schweigend und verdrie?lich seine Suppe l?ffelte, beschloss Graf Liliac, dass ein Fossil wie er nicht mehr in diese Zeit passte. Er verstand diese Welt nicht und die Aussicht auf weitere f?nfhundert Jahre bei Rote-Bete-Suppe und Blut aus Plastikbeuteln lie?en ihn erschauern. Vielleicht war nun seine Zeit gekommen. Er l?chelte. Irgendwie hatte der Gedanke etwas Verlockendes. Er w?rde warten. Warten auf seinen ersten Sonnenaufgang nach f?nfhundert Jahren.
1.4.05 23:51


Wegen Urlaubs gibt es heute wieder Aufgew?rmtes. Die Geschichte hat noch an einem Wettbewerb teilgenommen, konnte sie daher also nicht vorher posten.

In dieser Geschichte gibt es einige Traumsequenzen und Gedankenfetzen, die im Original immer kursiv gedruckt sind. Ich bin aber irgendwie zu bl?d, die hier auch kursiv zu machen. Vielleicht rafft man es auch so. Wem das zu un?bersichtlich ist, der schaut auf meiner Homepage in der Schreibstube unter den Kurzgeschichten.

Die Kellertreppe

Ich habe schreckliche Angst, will weg, weg von ihm, aber er l?sst mich nicht gehen. Dieser Unterton in seiner Stimme ist mir unheimlich, so kenne ich ihn nicht. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, aber ich wei?, dass er es ist. Ich h?re seine Stimme, sie ist laut, ungewohnt schroff. Ich will davonlaufen, aber ich kann nicht. Ich will fort, ich will...jemand packt mich, sch?ttelt mich...

Ich schreckte j?h auf, mein Herz raste und ich war vollkommen durchgeschwitzt.

?Alles in Ordnung? Ich glaube du hast wieder getr?umt.?

Ich brauchte eine Weile, um mich zu orientieren. Ich war in Rubens...unserem Schlafzimmer. Drau?en war es dunkel und man h?rte den Regen leise auf das Dach prasseln. Ruben hatte die Nachttischlampe auf seiner Seite eingeschaltet und sah mich verschlafen, aber besorgt an.

?Schon okay, Schatz?, sagte ich. ?Es geht mir gut. Dreh dich ruhig wieder um, du siehst m?de aus. Ich geh mir schnell einen Schluck Wasser holen.? Er l?chelte mich dankbar an und ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Dann stand ich auf, zog meinen Morgenmantel an und ging hinunter in die K?che. Ich nahm ein Glas aus dem Schrank und hielt es unter den Wasserstrahl. Immer wieder diese Tr?ume. Ich hatte sie eigentlich st?ndig, seit ich bei Ruben eingezogen war. Kaltes Wasser lief ?ber meinen Handr?cken und ich zog das Glas zur?ck. Ich war immer noch nicht ganz wach. Ich stellte das Wasser ab und nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas. Seit ich hier wohnte, hatte ich kaum eine Nacht wirklich erholsam schlafen k?nnen. Immer wieder hatte ich diese be?ngstigenden Tr?ume.

Tr?ume, in denen ich mich gefangen f?hlte und bedroht, in denen ich weglaufen wollte vor einem gesichtslosen Mann. Manchmal tr?umte ich auch, dass ich im Dunkeln eine Treppe hinunterging, ich sp?rte, wie ich fiel, konnte mich im Traum schreien h?ren und wachte dann schwei?gebadet auf. Ich wusste nur zu gut, was diese Tr?ume bedeuteten. Gebranntes Kind scheut das Feuer, sagte man doch. Mir fiel es nach wie vor schwer, mich auf eine neue Beziehung einzulassen, jemandem so nah zu sein. Ich w?re auch so schnell sicher nicht wieder mit einem Mann zusammengezogen, aber mit Ruben war alles so anders. Wir kannten uns noch nicht lange, aber er war so ?berhaupt nicht wie die M?nner, die ich vorher gekannt hatte. Er war f?rsorglich, nett, zuvorkommend, konnte zuh?ren und hatte Verst?ndnis f?r meine ?ngste. Zu Ruben hatte ich sofort Vertrauen gefasst. Bei ihm f?hlte ich mich geborgen und verstanden. Aber meine Tr?ume sprachen eine andere Sprache. Mein Kopf und mein Herz sagten mir unmissverst?ndlich, dass ich mich sicher f?hlen durfte, aber im Traum, wenn das bewusste Denken abgeschaltet war, meldeten sich all meine ?ngste und das immer noch tief sitzende Misstrauen zur?ck. Meine Therapeutin meinte immerhin, dass ich gro?e Fortschritte gemacht h?tte. Ich nahm noch einen Schluck aus dem Glas, sch?ttete den Rest aus und stellte das Glas in die Sp?lmaschine. Schon auf dem Treppenabsatz konnte ich Ruben leise schnarchen h?ren und musste l?cheln.

Wieder h?re ich seine Stimme, laut, bedrohlich. Er schreit mich an, ich habe Angst. Fort, nur fort, weg von hier, raus aus dieser H?lle. Kalt legt sich die Angst um meine Kehle wie eine Hand. Ich bin hier nicht sicher. Etwas riecht angebrannt. Die Pfanne. Eier und Speck, die Pfanne steht noch auf dem Herd. Er hat sie vergessen. Streit, laute Worte hallen in meinem Kopf, er beschimpft mich, er droht mir. Ich will weg. Pl?tzlich ist es dunkel. Ich gehe eine Treppe herunter. Kellertreppe. Ich wei? jetzt, wo ich bin, ich gehe in den Keller, ich will etwas holen. Licht. Warum ist hier kein Licht. Ein Schatten von hinten, jemand steht in der T?r?ffnung. Ich habe Angst, ich muss fort, ich bin nicht sicher. Ich drehe mich um. Spaten. Ein Spaten...Rot. Ich schreie...

Ich f?hlte mein Herz gegen meine Rippen schlagen wie ein nerv?ser Vogel in einem K?fig. Ich schnappte nach Luft. Nur ein Traum, du bist hier, du bist wach. Es ist hell. Ich setzte mich auf und atmete langsam und bewusst. Langsam. Einatmen. Ausatmen. Du bist hier in deinem Bett. Es ist alles in Ordnung. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Meine Therapeutin hatte nicht ganz Unrecht. Es w?rde noch lange dauern, bis ich die Traumata der Vergangenheit ?berwunden haben w?rde. Gewalt brannte sich tief in die Seele ein. So leicht w?rde ich die Bilder nicht absch?tteln k?nnen. Vieles hatte ich aus meinem Bewusstsein verbannt, verdr?ngt und es trat nur langsam an die Oberfl?che. Spaten. Noch einmal kehrten verschwommene Traumbilder in mein Bewusstsein zur?ck. Hatte Bill mich jemals mit einem Spaten bedroht? Ich wusste es nicht mehr. Zu viel war vorgefallen. Zu viel, an das ich nicht mehr denken wollte. Aus der K?che konnte ich leise Radiomusik h?ren. Ruben war schon aufgestanden. Ich konnte ihn mit Geschirr hantieren h?ren und l?chelte. Er deckte den Tisch. Ruben war ein Fr?haufsteher, auch am Wochenende konnte er nicht lange im Bett liegen bleiben und verw?hnte mich dann oft mit einem ?ppigen Fr?hst?ck.

Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, ging ich die Treppe herunter. Ich konnte Ruben in der K?che werkeln h?ren und schnupperte. Es duftete nach Kaffee und Speck. Speck. Eier und Speck. Mein Magen zog sich krampfartig zusammen und ich f?hlte eine leichte ?belkeit aufsteigen. Beinahe verfehlte mein Fu? die Treppenstufe, ich konnte mich gerade noch am Gel?nder festhalten. Was war nur los mit mir? Diese Tr?ume, die wenig erholsamen N?chte, das alles machte mich noch ganz fertig. Als ich mich wieder gefangen hatte, ging ich in die K?che. Ruben stand mit dem R?cken zur T?r und schlug mit dem Schneebesen in einer Sch?ssel Eier, w?hrend unter dem Ofengrill einige Scheiben Fr?hst?cksspeck brutzelten. Aus dem Radio pl?rrten die Walker Brothers The Sun Ain?t Gonna Shine Anymore und Ruben sang laut und schr?g mit. Ich musste lachen.

?Ein Gl?ck, dass du so ein guter Koch bist?, sagte ich und schlang ihm von hinten die Arme um die Taille, ?mit der Gesangskarriere wird das n?mlich ganz sicher nichts.?

?Dir auch einen sch?nen Guten Morgen, mein Schatz?, sagte er und k?sste mich. ?Ich hoffe, du hast Appetit mitgebracht.? Er stellte die Pfanne auf den Herd und gab etwas Margarine hinein.

?Oh ja, ich k?nnte ein Pferd essen?, log ich.

?Sch?n?, sagte er. ?Dann freu dich schon mal auf meine Spezial-R?hreier.? Ruben gab ein paar gehackte Kr?uter in die Sch?ssel. Es zischte, als er die Eier in die Pfanne goss. Er ?ffnete den Schrank ?ber der Anrichte, nahm Pfeffer und Salz heraus und w?rzte damit die R?hreier.

?Kr?uter, Salz, schwarzer Pfeffer und meine Spezialzutat...? er suchte im Schrank. ?Verflucht. Du, bist du mal so lieb und schaust mal, ob im Vorratsregal unten noch Worcestersauce steht??

?Im Keller?? fragte ich. Kellertreppe. Ich f?hlte, wie mein Herz zu flattern begann.

?Ja, genau. Hinten in dem kleinen Holzregal. Ich bin sicher, dass ich vor ein paar Wochen noch eine Flasche auf Vorrat gekauft habe.?

Z?gernd dr?ckte ich die Klinke herunter und ?ffnete die T?r, die in den kleinen Vorratskeller f?hrte. Der Keller war dunkel. Nur das Tageslicht aus der K?che erleuchtete schwach die Kellertreppe. Ich sp?rte Angst in mir aufsteigen. Kellertreppe. Mit der Hand taste ich an der Wand nach dem Lichtschalter. Im Dunkeln gehe ich da nicht runter.

Meine H?nde tasten nach dem Schalter. Etwas lehnt auf dem oberen Treppenabsatz an der Wand. Spaten. Ich h?re Ruben hinter mir am Herd herumwerken. Leise schlie?e ich die T?re wieder und gehe langsam, r?ckw?rts auf die K?chent?r zu. Ruben scheint mich nicht zu bemerken. Fort, einfach nur fort. Weg hier. Aber warum? Warum, Ruben? Das Herz h?mmert wild von innen gegen meine Rippen. Es ist, als bewege sich der Boden unter mir. Meine Augen suchen eilig den Raum ab. Da.

Jetzt dreht Ruben sich um. ?Schatz? Was machst du denn da? Ich dachte, du wolltest in den Keller gehen.?

Das w?rde dir so passen. Mit dem R?cken zur Wand schiebe ich mich langsam vorw?rts. Die Anrichte ist fast in Reichweite.

?Schatz?? Ruben macht einen Schritt auf mich zu. Mein Herz schl?gt wie verr?ckt. ?Ist alles in Ordnung?? Jetzt oder nie. Ich strecke den Arm aus und bekomme den Griff des gro?en K?chenmessers zu fassen.

?Was machst du denn da?? Tu doch nicht so ?berrascht. Ich wei? doch, was du vorhast. Er kommt langsam auf mich zu. Bleib mir ja vom Leib!

?Komm mir nicht zu nahe!? rufe ich und hebe das Messer.

?Aber Schatz, so beruhige dich doch. Ganz ruhig. Leg doch das Messer weg.?

Ich schreie, drehe mich um, laufe. Fort, nur fort. Weg von hier, raus hier. Angst presst meine Lungen zusammen. M?rder! Spaten...Rot...Blut. Schreie. Meine Schreie. Mein Blut. Ich drehe mich nicht mehr um, ich laufe, so schnell meine Beine mich tragen. Einfach nur fort. Weg von hier. Ich muss weg. Ich sehe nicht, wohin ich laufe, wei? nicht, ob er mir folgt. Meine Faust ganz fest um den Messergriff geschlossen. Fort. Polizei. Da, schneller. Ich laufe.

****

In meiner Laufbahn als Polizist habe ich schon viel Unvorstellbares erlebt, mit der Zeit wird es zur Gewohnheit. Wenn man sich t?glich damit auseinandersetzt, was Menschen anderen Menschen antun k?nnen, jeden Tag Zeuge von Gewalt und Grausamkeit wird, gibt es nicht mehr viel, was einen in Erstaunen versetzten k?nnte. Dennoch erlebe auch ich in meinem Beruf hin und wieder noch Dinge, die mich aus der Routine rei?en und die ich mir mit dem gesunden Menschenverstand nicht erkl?ren kann.

Ein solcher Fall ist mir gerade im letzen Monat untergekommen. Beamte hatten eine v?llig verst?rte junge Frau auf der Stra?e aufgegriffen. Sie war mit einem K?chenmesser bewaffnet und beteuerte immer wieder, ihr Lebensgef?hrte plane, sie mit einem Spaten zu erschlagen. Sie habe es im Traum gesehen. Zun?chst glaubten die Kollegen, es mit einer geistig Verwirrten zu tun zu haben und brachten die junge Frau in eine Klinik. Tats?chlich stellte sich heraus, dass die Frau in psychotherapeutischer Behandlung war, weil sie in einer vorherigen Beziehung von ihrem Lebensgef?hrten stark misshandelt worden war.
Zwar glaubten die Kollegen, dass die Frau sich die unmittelbare Bedrohung nur einbildete, beschlossen aber trotzdem einmal bei ihrem aktuellen Lebensgef?hrten vorbeizufahren.

Der junge Mann, den die Kollegen antrafen, schien h?chst besorgt und hatte seinerseits bereits mit der Polizei telefoniert. Er lie? die Beamten bereitwillig ins Haus und gab an, er k?nne sich das Verhalten seiner Freundin nicht erkl?ren. Sie sei pl?tzlich und v?llig ohne Grund mit dem Messer auf ihn losgegangen und habe dann fluchtartig das Haus verlassen. Beinahe zuf?llig fanden die Beamten im Hause des Lebensgef?hrten tats?chlich den Spaten, der auch, wie von der Frau angegeben, im Kellerabgang an der Wand lehnte. Auf dem Werkzeug entdeckten sie Spuren von Blut. Der Hausbesitzer bestritt, davon etwas zu wissen, der Spaten habe schon dort gestanden, als er eingezogen war.

Als die Kollegen den Keller des Hauses genau untersuchten fanden sich auch dort Blutspuren. Bei der darauf folgenden Durchsuchung fanden die Beamten unter dem Kellerboden die sterblichen ?berreste einer Frau und der Hausbesitzer Ruben Doyle wurde als dringend tatverd?chtig vorl?ufig festgenommen.

Wie sich jedoch bald herausstellte, lag die Leiche der Frau schon mehrere Jahre unter dem Kellerboden des Hauses. Sie musste dort begraben worden sein, noch bevor Doyle das Haus kaufte. Schlie?lich konnte die Tote aus dem Keller mit einigem Gl?ck als eine gewisse Elsie Hooper identifiziert werden, die f?nf Jahre zuvor von ihren Eltern vermisst gemeldet und zuletzt nicht unweit des Hauses gesehen wurde, in dem man die Leiche fand. Der Vorbesitzer des Hauses wurde ausfindig gemacht, festgenommen und zeigte sich gest?ndig.

Elsie Hooper war im Streit aus dem Hause ihrer Eltern ausgezogen. Sie war zun?chst bei einer Freundin untergekommen, lernte aber bald einen Mann kennen, Burkhard Wilkes, und zog bei diesem ein. Wegen seiner krankhaften Eifersucht kam es immer h?ufiger zu Streitereien und als Elsie Hooper seine Eifersucht und seine Wutanf?lle nicht l?nger ertragen konnte, teilte sie Wilkes mit, dass sie ihn verlassen wolle. Daraufhin schickte er sie unter einem Vorwand in den Keller, wo er sie auf der Treppe mit einem Spaten erschlug und ihre Leiche vergrub.

Bis heute kann ich mir nicht erkl?ren, wie Doyles Lebensgef?hrtin Details dieser Tat kennen konnte. Letzten Endes aber waren es tats?chlich die Tr?ume dieser Frau, die zur Aufkl?rung eines Mordfalles f?hrten.
30.3.05 23:55


Harry Potter Fan Fiction: Enough is Enough

War mal ein Wettbewerbsbeitrag, es mussten bestimmte Kriterien erf?llt werden in einer Geschichte, die an Severus Snapes Geburtstag spielen sollte.

Severus Snape froze in his tracks when he entered the staff room before classes. How ever did they find out? He had successfully kept it a secret all these years even though Dumbledore had been pestering him about it all the time and Trelawney had every so often offered him to calculate his personal horoscope. He frowned at the multicoloured garlands that were strung over their heads and the giant glittering banner which read ?Happy Birthday, Severus!!!?

He flinched as a champagne cork went off right next to him. Professor Vector shrugged apologetically and poured some champagne into a glass which she proffered him. Absent-mindedly Snape took the glass and looked at his colleague?s smiling faces. They all had glasses in their hands and were wearing funny paper party hats.

Dumbledore, who was sporting a particularly ridiculous striped green hat, raised his glass and said, ?Here?s to a secret very well kept. Happy Birthday, Severus. May you be surrounded by friends all year through.?

?Actually, Headmaster,? he muttered irritably, ?I prefer to celebrate in private.? Dumbledore?s last remark had sounded more like a curse than a blessing to him. Couldn?t people just leave him alone?

?Happy Birthday!? the others echoed, drowning out his muttered expression of resentment. And with a loud bang, a firecracker went off over Snape?s head, sending a cloud of colourful confetti down on him, bits of it clinging to his robes and his hair.

?Please, just don?t let them sing,? Snape thought desperately, as a tell-tale clearing of throats could now be heard. But it was too late.

After an agonising three repetitions of ?Happy birthday to you? he half hoped his torture was over when Dumbledore merrily went on belting out ?For he?s a jolly good fellow?.

Snape cringed inwardly and had it not been for the Headmaster, he would have turned on his heel and stormed out of the staff room right away.

Finally, after what seemed an eternity to him, his colleagues had finished and a giggle and chatter went through the room. Snape wanted to make for his pidgeon hole, check for circulars and students? work and then head off to his classroom as quickly as possible but it was hopeless. His colleagues were now circling in to shake his hands, pat his shoulders and congratulate him. Someone tried to put a paper hat on his head from behind, but Snape angrily brushed away his hand.

?Janurary 9th, Serverus. Well, that makes you a Capricorn, doesn?t it?? Minerva McGonagall said as she shook his hand.

?But of course I?m a Capricorn. Was there any doubt?? he grunted very much on the edge of his tether.

?We had bets going and most people believed you were a Scorpio,? McGonagall said. ?My guess was Virgo actually. My mother always used to say, I would marry a Capricorn,? she laughed. ?But I don?t think Libra and Capricorn match, actually.?

Snape raised an eyebrow noticing her girlish giggle and the slight slur. ?How many of those did you have, Professor?? he scoffed pointing at her half-empty glass.

?A few,? McGonagall giggled. ?I don?t usually drink. I feel a bit tipsy.?

?Well, excuse me now, I have work to do,? he said tersely, making for his pidgeon hole.

But he was intercepted by Dumbledore who carried a big, cream-filled birthday cake decorated with the Slytherin crest, tiny green marzipan Snakes and burning candles.

?Go on, Severus, blow them out and make a wish,? Dumbledore said cheerfully. Snape scoffed.

?Yes, Severus, go ahead? Madam Hooch said, nudging him slightly. ?Blowing them all out at once will only get harder every year. You?ll need quite some lung volume already by the look of things!? she giggled but stopped instantly as Snape swirled around to her and shot daggers from his narrowed black eyes. Madam Hooch swallowed. ?I was just joking, Severus,? she said meekly.

?Next time you?d better keep your witty remarks to yourself or I?ll hex you into?? he barked furiously but was interrupted by the Headmaster.

?Now now, Severus. Don?t take everything so seriously. It?s your birthday. You should be enjoying yourself. Come on, blow out the candles, I insist.?

?If I must?? Snape snarled. Dumbledore certainly had a great talent for being a right nuisance but he was the Headmaster. With a small flick of his wand, the candles went out.

?Oh,? Snape said looking around at the smiling faces, ?and the birthday wish I made was to be left alone. So if you please? I?ve got lessons waiting.?

He crossed the room, took some pieces of parchment out of his pidgeon hole and swept out of the staff room, robes billowing after him.

***

Peace at last! Snape sat down at his writing desk breathing a sigh of relieve. If ever he were to find the person who found out about his birthday, he would hex them into oblivion. Not only had his colleagues arranged this ?party? in the staff room, there had also been an enormous number of birthday owls at lunchtime. He had hoped, the information about his birthday had not left the confines of the staff room, but it seemed that someone had been spreading the news. He had even received some birthday wishes on pink, perfumed parchment from an anonymous felicitator who called herself ?snapeaddict?. This had definitely been too much. He had tipped the pile of cards with his wand, blazing them into cinders and had shot some gloomy, menacing looks at the students who looked at him curiously.

Finally, finally he was alone. No annoying felicitations, no dreadful songs or silly cakes?.cakes. He looked at the birthday cake on the desk in front of him. He did not have dinner as he had preferred not to make an appearance in the Great Hall for more embarrassing moments. Well, there was nobody around, he might just as well?.

Using his wand, he cut a piece of the cake. It looked delicious. He took a hearty bite.

Suddenly the door flew open and Draco Malfoy appeared looking utterly bewildered. ?Sorry to disturb you, Professor but there?s a horde of ? erm? Muggles in the corridor. They say they are here to see you.?

Snape had dropped the cake and sprung to his feet. He coughed, trying to swallow the piece of cake. ?Muggles??!? he shouted.

Malfoy nodded. ?They call themselves The Potion Master?s Muse and insist to see you.?

Snape struggled to keep his composure to no avail, his face reddened, the veins at the side of his neck began to pulsate dangerously. ?OOOUUUUT!!!? he yelled, forgetting himself. ?I wish to be left alone!!! And tell those Muggles if they aren?t gone when I have finished counting to ten, they will be very sorry.?

Draco swallowed. ?Yes, Professor.? He turned around and left.

Snape sank back into his chair. It probably wasn?t a nice move but then what choice did they leave him? Obliviate them or go through this ordeal every damned year. After all, Dumbledore had said he should enjoy himself. And he would. With a smirk, he took his wand and got up.
15.3.05 22:40


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